Das Muschelessen

Preisgekrönte Erzählung von Birgit Vanderbeke (geb. 1956, Deutschland), voller stilistischer Raffinessen.. Die Geschichte spielt an einem Abend. Eine Familie bereitet ein Muschelessen vor: Vaters Leibgericht. Doch der lässt auf sich warten. Die Autorität des abwesenden Familienoberhauptes wird zum ersten Mal überhaupt in Frage gestellt, um schliesslich in sich zusammenzubrechen. Dies spielt sich vor einem immensen Berg mühsam präparierter Muscheln ab, welche Mutter und Kinder jeweils trotz ihres Abscheus verspeisen müssen, weil sie der Vater gerne isst. Auf 100 Seiten reiht sich ein langer Satz an den vorherigen, was die nervöse Stimmung der Menschen, die so viel auf dem Herzen haben, dass sie ohne Pause sprechen müssen, veranschaulicht. Im Berichtstil einer Jugendlichen konfrontiert die Autorin den logisch abstrakt denkenden mit dem praktisch konkret handelnden Menschen. Ideologien landen schliesslich auf dem Müll. Die effektiv aufgebaute Spannung liess mich das 1990 erstmals erschienene Buch nicht vor dem Ende aus der Hand legen. Weitere Werke der Birgit Vanderbeke sind «Sweet Sixteen», «Fehlende Teile», «Alberta empfängt einen Liebhaber» und «Abgehängt».

Quelle: Frey, Pascal (Hg.), «Was lesen?, Ein Lexikon zur deutschen Literatur», 2003, Bern

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