Tannöd
Für ihren Debütroman hat Andrea Maria Schenkel (* 1962) ein düsteres Thema gewählt: einen grauenvollen sechsfachen Mord auf einem Hof in der fiktiven bayrischen Einöde Tannöd. "Tannöd" ist eine eigenartige Mischung aus Heimat- und Kriminalroman. Aufbau und Sprache sind scheinbar ganz einfach. Siebzehn Dorbewohner mit unterschiedlichen Ausdrucksweisen kommen zu Wort; die Aussagen werden mit kurzen Schilderungen aus einer auktorialen Perspektive ergänzt.
Gleich zu Beginn wird geschildert, wie jemand die Kühe auf dem Danner-Hof füttert und melkt, und man wundert sich, warum er die frische Milch wegschüttet, bevor er wieder geht. Andeutungen, Merkwürdiges und Unverständliches, was "Tannöd" von Anfang an eine unheimliche, z.T. beklemmende Atmosphäre gibt, verdichten sich zu einem immer deutlicheren Bild. Siebenmal schiebt Andrea Maria Schenkel ein Gebet ein und untermalt damit das Milieu in der vermeintlich idyllischen, vielleicht aber eben doch problematischen Einöde.
"Tannöd" ist ein spannender, formal und inhaltlich überzeugender Roman ohne jeden Schnickschnack. Die Handlung geht auf einen ungeklärten Mordfall zurück, der sich in der Nacht auf den 1. April 1922 in Hinterkaifeck ereignete, einem Einödhof 500 m außerhalb von Gröbern, 6 km von Schrobenhausen entfernt [Mordfall Hinterkaifeck]. Andrea Maria Schenkel verlegte die Handlung allerdings in die Fünfzigerjahre und in die fiktive Einöde Tannöd.
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