Als der Teufel aus dem Badezimmer kam

Sophie, die Protagonistin von Sophie Divrys Roman, hat ihr Leben dem Schreiben gewidmet. Sie besitzt einen Elektro-Radiator, der ihr über den strengen Winter geholfen hat, doch beschert ihr dieses zweifelhafte Glück im Frühling eine Stromrechnung, die fast die gesamte Sozialhilfe auffrisst, so dass ihr nur 17,70 Euro bis zum Monatsende bleiben. Diese finanzielle Misere, die sich nicht allein auf die materielle Ebene ihrer Existenz auswirkt, ist dank Ironie ein Kunstwerk, das ebenso Schmunzeln wie Mitleid hervorruft. Interessant ist das Buch vor allem deshalb, weil es sich jenseits der Klischees radikal in unsere Zeit einschreibt; es stellt den absurden Kampf gegen die Auswüchse der Verwaltung und den Versuch, einen Toaster auf ebay zu verhökern, neben Hunger oder den partiellen Ausschluss aus der Gesellschaft mangels Geld.

Diese Originalität auf der inhaltlichen Ebene wird durch die zahlreiche formelle Spiele übertroffen, die das Elend beinahe vergessen lassen. Es beginnt mit den Motti, die jedem der drei Teile des Romans vorangestellt und ganz offensichtlich von der Literatur des Barock inspiriert sind. Wir finden Listen, zum Beispiel der erforderlichen Unterlagen, um eine Beihilfe zu den Wasserkosten zu beantragen, und Aufzählungen verschiedenster Art, etwa der zahlreichen Konzerte an einem Samstagabend in Lyon, die Sophie sich allesamt nicht leisten kann, der Typen von Männern, die sie nicht will, oder der Metaphern, die sie unpassend findet. Das ist voller Sprachwitz, aber manchmal etwas lang (James Joyce lässt grüssen). Abwechslung bringen auch die verschiedensten Formen graphischer Gestaltung, die von kleinen Ikons (Herzchen, Blümchen, ausgestreckten Zeigefingern u.a.m.) bis hin zu einer Doppelseite in der Tradition des Bildgedichts und der Konkreten Poesie reichen.

All dies gewaltige Herausforderungen für Setzerin und Übersetzerin, denen Annika Preyhs und Patricia Klobusiczky weitgehend (vielleicht aber nicht ganz durchgehend) gerecht geworden sind, so dass diese in jeder Hinsicht originelle Version des Schriftstellerromans auch für das deutsche Publikum ein uneingeschränktes Lesevergnügen bietet.

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